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Trotz Krise: Warum das Kurbelwellenwerk in Nordhausen 100 neue Mitarbeiter einstellt

Nordhausen. Es gibt sie noch, die guten Nachrichten aus der Thüringer Wirtschaft. Die Nordhäuser Firma Feuer Powertrain braucht neue Mitarbeiter für einen Großauftrag aus den USA.

Die Liste der schlechten Nachrichten aus der Nordthüringer Wirtschaft und der angrenzenden Region riss zuletzt nicht ab: Ende 2025 geriet der Automobilzulieferer Musashi in Leinefelde in Schieflage und plant, in diesem Jahr bis zu 150 Beschäftigte zu entlassen. Und in Harzgerode, nur 40 Kilometer von Nordhausen entfernt, stehen mit Bohai Automotive und der Schlote-Gruppe zwei große Arbeitgeber mit zusammen knapp 1000 Mitarbeitern vor dem Aus. Wegen der Insolvenz der beiden Betriebe ist die Zukunft der Arbeitskräfte ungewiss.

Doch es gibt auch einen Lichtblick: „Wir benötigen in den nächsten Monaten 100 neue Arbeitskräfte, um unsere Ziele für dieses Jahr zu erreichen“, verkündet Powertrain-Geschäftsführer Bernd Gulden endlich einmal eine gute Nachricht für die Region. Denn die wirtschaftliche Situation im Kurbelwellenwerk in Nordhausen hat sich in den vergangenen Monaten positiv entwickelt. „Wir streben 20 bis 25 Prozent Wachstum an und wollen unseren Umsatz auf 180 bis 200 Millionen Euro steigern“, so Gulden.

US-Großauftrag treibt Umsatz in deutschen Werken an

Basis für diese Entwicklung ist ein Großauftrag von einem der laut Gulden drei „Big Player“ in den USA, der Ende 2025 an Land gezogen wurde. Allein dieser sorge für etwa zwei Drittel des Umsatzes, der jetzt in den deutschen Powertrain-Werken abgearbeitet wird. Dabei helfe auch die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump. „Dass Trump wieder verstärkt auf den Verbrenner setzt, kommt uns in diesem Jahr zugute“, erklärt der Geschäftsführer. 

„Jetzt erweist sich unsere Entscheidung als richtig, mit einem eigenen Werk in die USA zu gehen. So gibt es für uns kürzere Wege zu den Kunden“, so der Nordhäuser. Und es winke noch ein zweiter Großauftrag in den USA, der gerade verhandelt wird.

Gulden hofft, bis zum dritten Quartal des Jahres den Großteil der 100 neuen Mitarbeiter eingestellt zu haben. „Wir erhalten vermehrt Bewerbungen von gut ausgebildeten Fachkräften mit solidem Background“, hat der Geschäftsführer festgestellt. Er verhehlt nicht, dass die Krise bei den Automobilzulieferbetrieben in der Nachbarschaft auch eine Chance für Feuer Powertrain darstellt, gutes Personal zu erhalten.

Eigene Ausbildung ist zweiter personeller Fundus

Ein zweiter personeller Fundus für das Kurbelwellenwerk ist die eigene Ausbildung.  „Dort bewegen wir uns mit 48 Auszubildenden auf einem Rekord-Niveau“, sagt der Nordhäuser. „In diesem Sommer planen wir mit bis zu 25 Neueinstellungen“, kündigt er an. 13 oder 14 Verträge mit jungen Leuten seien bereits unterschrieben. „Wir wollen die künftigen Renteneintritte, wenn möglich, durch den eigenen Nachwuchs kompensieren“, hat er sich zum Ziel gesetzt.

„Wir gehen verantwortungsvoll mit unserer Belegschaft um und haben im schwierigen Jahr 2025 trotz vier Monaten Kurzarbeit auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet“, nennt Gulden sein Credo. Das zahle sich jetzt aus, denn alle 650 Mitarbeiter würden derzeit benötigt, um die Aufträge zu bewältigen.

Von Hans-Peter Blum, 18.05.2026

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