Powertrain investiert 33 Millionen Euro in Nordhäuser Stammsitz

Nordhausen. „Wir haben noch einmal kräftig investiert und unser Werk 1 auf den neuesten Stand der Automatisierungstechnik gebracht“, sagt Oliver Wönnmann, Geschäftsführer des Nordhäuser Kurbelwellenwerkes „Feuer Powertrain“.

Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (links) machte sich erst im Januar ein Bild vom Kurbelwellenwerk. Rechts Oliver Wönnmann. Foto: Hans-Peter Blum

 

Zu den bereits bestehenden zwei Produktionslinien kommen zwei neue hinzu. Dafür nimmt das Unternehmen über 33 Millionen Euro in die Hand. Die dritte Produktionslinie ist bereits in Betrieb, für die vierte werden derzeit gerade die letzten Programmierungen an den Maschinen vorgenommen.

„Das ist schon ein besonderer Kraftakt gewesen, quasi eine Operation am offenen Herzen, denn wir haben die Umstellungen bei laufendem Betrieb vorgenommen, der aufrechterhalten werden musste“, so der Geschäftsführer. Die vierte Linie soll in zwei Wochen anlaufen, so dass das Werk 1 dann über die doppelte Kapazität wie vorher verfügt. Dort werden zum Beispiel Hochleistungskurbelwellen für die Nobelmarken Rolls Royce und Bentley produziert.

„Unser Ziel ist, mit diesen Investitionen unseren Wett­bewerbsvorsprung zu behalten“, erläutert der Unternehmer. Denn die Konkurrenz schlafe nicht. Man sei damit in der Lage, flexibel auf Kundenwünsche zu reagieren und könne schnell neue Projekte starten. Zugleich sei dies eine „absolute Bekenntnis zum Standort Nordhausen“, wie er betont. Denn es habe Stimmen gegeben, die die Anstrengungen von Powertrain in den USA als Zeichen für eine schleichende Verlagerung der Produktion ins Ausland werteten. Davon könne überhaupt keine Rede sein, stellt der Geschäftsführer klar.

„Wir werden in Zukunft eine Dreiteilung haben: Europa und Südafrika werden vom Nordhäuser Werk aus bedient, die USA, Kanada und Brasilien vom neuen Werk in Tunica in Missisippi, und als Drittes werden wir in China präsent sein“, erläutert Wönnmann. In der chinesischen Stadt Tianjin hat Power­train eine Montagehalle angemietet. „Wir liefern die Kurbelwellen aus Nordhausen an und führen die Endmontage vor Ort aus.“ Diese Arbeiten seien im ersten Quartal des Jahres mit 25 Mitarbeitern angelaufen.

In Tunica ist Powertrain noch nicht ganz so weit. „Dort werden gerade die ersten Maschinen angeliefert und aufgebaut. In der zweiten Jahreshälfte wollen wir dann mit dem Probe­betrieb beginnen“, sagt der Geschäftsführer. In Tunica werden ab dem kommenden Jahr 100 Mitarbeiter Kurbelwellen produzieren, das Unternehmen investiert dort 35 Millionen Euro. „Derzeit sind sieben Amerikaner in Nordhausen, die wir für ihren zukünftigen Job fit machen“, verrät Wönnmann. Diese seien begeistert von den Südharzer Gewässern, denn sie sind ambitionierte Hobbyangler.

Neues Geschäftsfeld der Freizeitmobile

Übrigens hat sich das Kurbelwellenwerk ein neues Geschäftsfeld erschlossen. „Wir bedienen ab sofort auch den Markt der Freizeitmobile wie Quads, Snowmobile und Jetski“, teilt der Unternehmer mit. Neben Kurbelwellen für Autos, Lkw und Industrie baue man sich damit ein viertes Standbein auf. Derzeit betreibt Powertrain in Nordhausen fünf Werke mit elf Produktionslinien sowie ein Lager- und Logistikzentrum. Über 600 Mitarbeiter, darunter 55 Auszubildende, sind an der Rothenburgstraße tätig.

Quelle:Hans-Peter Blum / 21.05.15 / TA