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Warum ein Industriebetrieb in Nordhausen so viele Lehrlinge wie nie hat

Nordhausen. Es werden wieder mehr junge Menschen in Industrie und Handwerk ausgebildet. Ein Unternehmen aus Nordhausen geht mit gutem Beispiel voran.

Die Berufsausbildung wird immer wichtiger. Gerade in Zeiten einer Wirtschaftskrise ist es für die Betriebe entscheidend, in die eigene Ausbildung zu investieren. Das Kurbelwellenwerk „Feuer Powertrain“ in Nordhausen liefert dafür ein besonderes Beispiel.

„Wir haben in diesem Sommer einen neuen Rekord aufgestellt, denn wir werden 19 Auszubildende einstellen“, sagt Geschäftsführer Bernd Gulden. Mit diesen werde man erstmals die Zahl von 50 Lehrlingen in sechs Berufen im Betrieb erreichen. Gulden spricht von Rohdiamanten, die man erst schleifen müsse.

„Wir stecken bis zu 100.000 Euro in die drei- oder vierjährige Ausbildung eines jeden einzelnen“, verdeutlicht der Nordhäuser die Anstrengungen des Unternehmens. In der Regel werde jeder Lehrling mit erfolgreichem Abschluss übernommen, die Abbrecherquote sei mit etwa zehn Prozent eher gering. Das Unternehmen erhalte etwa die vierfache Zahl an Bewerbungen, und alle vorhandenen Stellen (etwa 30) würden nicht besetzt, betont Gulden.

Um jährlich neue Auszubildende zu finden, präsentiert sich das Unternehmen auf Messen und Berufsorientierungsveranstaltungen wie zum Beispiel am Tag der Ausbildung. Es bietet zudem regelmäßig die Möglichkeit an, ein Praktikum zu absolvieren. „Der Tag in der Praxis für die Regelschulen zahlt sich mittlerweile aus, wir erhalten dadurch viele Bewerbungen“, berichtet Personalchefin Karen Schiek. Und einige der Jugendlichen, die dann Praktika absolvieren, würden dann später den Weg in die Lehre finden.

Die positive Entwicklung bei den Ausbildungsverträgen bestätigt auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt. Zum offiziellen Beginn des neuen Lehrjahres am 1. August 2026 starten 1503 Auszubildende im Kammerbezirk der IHK in ihre berufliche Zukunft. Bis Ende September werden weitere 500 Lehrlinge ihre Ausbildung aufnehmen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Bei der IHK gehen täglich neue Ausbildungsverträge ein. Aktuell liegt ihre Zahl rund fünf Prozent über dem Vorjahresniveau. Auch zum derzeitigen Ausbildungsstart bieten sich noch zahlreiche Chancen. In der Lehrstellenbörse der IHK Erfurt sind mehr als 400 Ausbildungsplätze gemeldet, rund 300 können noch in diesem Jahr besetzt werden.

Heute wird gutes Geld in der Ausbildung verdient

„Eine Berufsausbildung zahlt sich heute aus“, betont auch Karsten Froböse, der Leiter der Arbeitsagentur in Nordhausen. Eine Fachkraft erhalte derzeit ein durchschnittliches Einkommen von 3270 Euro im Monat. Das seien fast 20 Prozent mehr als der ungelernte Helfer (2754 Euro). Zudem senke eine Ausbildung das Risiko, arbeitslos zu werden. Die Arbeitslosenquote der Fachkräfte lag im Januar thüringenweit bei 3,9 Prozent, die der Helfer bei 19,2 Prozent. „Drei Viertel aller arbeitslosen Jugendlichen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung“, erklärt Froböse.

Auch die Lehrlinge verdienen heute gutes Geld im Vergleich zu früher. „Im ersten Lehrjahr werden bundesweit 1209 Euro im Durchschnitt bezahlt“, berichtet Arbeitsagentur-Pressesprecher Sebastian Dorl. Bei Powertrain ist es noch etwas mehr. „Bei uns erhalten die Lehrlinge im ersten Jahr 1270 Euro, das steigert sich bis auf 1400 Euro im letzten Lehrjahr“, verdeutlicht Bernd Gulden.

Das zweitgrößte Nordhäuser Industrieunternehmen wächst im Gegensatz zu den meisten anderen hiesigen Betrieben personell weiter an. Dank eines Großauftrags aus den USA sollen bis zu 100 neue Arbeitskräfte eingestellt werden (wir berichteten(TA-Nordhausen)). „Wir haben bereits 30 neue Verträge unterschrieben, durch weitere 12 Leiharbeiter haben wir mittlerweile 42 Mitarbeiter neu eingestellt“, sagt Gulden. Damit sei man auf einem guten Weg und peile die Mitarbeiterzahl von 700 an.

TA Nordhausen Beitrag vom 01.08.2026, Hans-Peter Blum, Lokalreporter in Nordhausen

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